Aus dem Magazin der Kirchengemeinde An der Elz: "Der Berg tut gut"

01.07.2026 | von Bernhard Thum und Paul-Jürgen Kanstinger

Die lautesten Geräusche auf dem Hörnleberg sind die Kirchenglocken und der Wind. Denn Autos sind an dem heiligen Ort mit wenigen Ausnahmen nicht erlaubt.

Seit Januar 2026 ist das Marienheiligtum auf dem Hörnleberg einer von vier Wallfahrtsorten in der Katholischen Kirchengemeinde An der Elz. Davor gehörte er zur Pfarrei Oberwinden. Der Hörnleberg ist weit über das Elztal hinaus bekannt. Er ist im Lauf der Jahrhunderte zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort geworden. Für viele Menschen ist der Berg ein Stück Heimat.
Am 1. Mai 2026 begann die diesjährige Wallfahrtszeit. Bei herrlichem Wetter kamen über 600 Pilger*innen, um an den Gottesdiensten teilzunehmen. In der ersten Heiligen Messe des Wallfahrtsjahres begrüßte Wallfahrtsdirektor Bernhard Thum den leitenden Pfarrer Andreas Brüstle. Im zweiten Gottesdienst hieß er zur Überraschung vieler Bischof Michael Gerber aus Fulda willkommen. Aus Dankbarkeit für seine Genesung nach einer schweren Krankheit war der Bischof an diesem Tag selbst auf den Hörnleberg gepilgert und ermutigte die Gläubigen, seinem Beispiel zu folgen. Gerber kennt den Berg aus seiner früheren Zeit als Pfarrer und Weihbischof in Freiburg und verbindet seit vielen Jahren eine tiefe Beziehung zur Gottesmutter des Wallfahrtsortes. In seiner Predigt ging der Bischof auf seine überstandene Krebserkrankung ein und schenkte damit vielen Anwesenden Kraft, Mut und Hoffnung. In der gemeinsamen Bitte um die Fürsprache der Gottesmutter Maria auf 906 Metern Höhe spürten die Menschen, dass sie in ihrem Glauben nicht alleine sind.
Um nach oben zu gelangen, muss man sich jedoch anstrengen: Anders als die meisten Wallfahrtsorte ist der Hörnleberg eine Fußwallfahrt – zum Teil recht steil. Aber auch viele Mountainbiker, die eine sportliche Herausforderung suchen, erklimmen den Hörnleberg und genießen zur Belohnung die wunderbare Fernsicht. Viele Menschen kommen in Gemeinschaft, manche auch alleine - der Berg tut allen gut. Und das schon seit langer Zeit: Urkundlich erwähnt wurde die Kapelle erstmals 1469 als „Capella uf dem Hörnlin“ in einem Verzeichnis der Diözese Konstanz über die vergebenen Pfründe. 1493 wird die „Capella zum Hörnlin filialis“ in einem kirchlichen Sammlungsregister der Pfarrei Oberwinden zugeordnet. Der Sage nach gelobte ein blinder Mann aus dem Elsass, dass er zu Ehren der Muttergottes auf dem ersten Berg eine Kapelle errichten wolle, den er nach seiner Heilung wiedersähe. So geschah es: Das erste, was er erblickte, war der Hörnleberg.
Im Lauf der Geschichte gab es Höhen und Tiefen: Viele Male fiel die Kapelle Blitzeinschlägen und Verwüstungen zum Opfer. Doch immer wieder stimmten die Gläubigen mit ihren Füßen für einen Wiederaufbau. Schon 1513 bestand eine „Bruderschaft zu Ehren der Himmelfahrt der allerseligsten Jungfrau Maria“, vermutlich gegründet, um Wallfahrten zu fördern. 1625 wurde die Bruderschaft vom Konstanzer Bischof bestätigt, im gleichen Jahr gewährte Papst Urban VIII. reichlich Ablässe. Die Wallfahrt blühte: An manchen Tagen nahmen mehrere tausend Menschen den beschwerlichen Weg auf sich. Auf dem Gipfel lebte ein Eremit, der die Mesnerdienste versah, und in der Pilgerherberge sorgte der Hörnliwirt für das leibliche Wohl. Kapuzinermönche aus Haslach im Kinzigtal wanderten viele Stunden über Biereck und Elzach auf den Berg hinauf, um bei der Seelsorge zu helfen. In den Hörnleberg-Akten im Pfarramt Bleibach sind zahlreiche Gebetserhörungen und Wunder aus jener Zeit aufgeschrieben.
Mit Kaiser Joseph II. kam ein vorübergehendes Ende der Wallfahrt: Im Rahmen seiner aufklärerischen Reformen verfügte er 1783, Wallfahrtskirchen abzureißen. Die Menschen im Elztal wehrten sich zwar, doch nach einem erneuten Blitzeinschlag im Jahr 1826 wurde ein Wiederaufbau der Kirche verboten. Erst 1851 - mit der Auflösung des Bistums Konstanz und einer liberaleren Gesinnung im neuen Erzbistum Freiburg - fand mit bischöflicher Genehmigung nach langer Zeit die erste öffentliche Prozession mit Gottesdienst auf dem Berg statt. 1856 wurde eine neue Kapelle geweiht.
Von 1950 bis 2023 lag die Betreuung der Kapelle und des Rasthauses in familiären Händen. Doch 2024 konnten keine Nachfolger mehr gefunden werden. Wie sollte es weitergehen? Bernhard Thum, seit 2007 für den Hörnleberg zuständig, rief schließlich zu einem Treffen zusammen. Mehr als 50 Personen aus der Region, denen der Berg viel bedeutet, kamen. Anfang Juni 2024 wurde die „Fördergemeinschaft Hörnleberg e.V.“ gegründet, zu deren Vorsitzendem Paul-Jürgen Kanstinger aus Bleibach gewählt wurde. Inzwischen hat der Verein 270 Mitglieder. Es gibt Personen, die im Rasthaus Dienst tun, andere sorgen sich um die Wege auf und um den Hörnleberg, wieder andere mähen, wenn es nötig ist, oder kümmern sich um den Blumenschmuck in der Kirche. Auch eine Mesnergruppe gibt es und eine Männergruppe am Mittwochnachmittag, die dafür sorgt, dass die Kirche auch unter der Woche einmal geöffnet ist – denn der Hörnleberg soll einladend sein. Alle tun diesen Dienst ehrenamtlich, um diesen besonderen Ort für andere Menschen zugänglich zu machen.
So ist der Hörnleberg auch heute für viele Menschen ein Sehnsuchtsort: Seine besondere Lage hoch über dem Elztal, die tiefe Kraft, die viele Menschen dort oben spüren, und die gute Gemeinschaft machen diesen Glaubensort so anziehend.
 
 
Bernhard Thum, Wallfahrtsdirektor, und Paul-Jürgen Kanstinger, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Hörnleberg e.V. engagieren sich mit viel Herzblut für den Hörnleberg.
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Das Rasthaus auf dem Hörnleberg hat am Samstag und Sonntag geöffnet. 

Der Hörnleberg aus Hubschrauberperspektive. 

Die Gründungsmitglieder der Fördergemeinschaft Hörnleberg.